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#Ehrung für Schröder: Das Erbe einer Generation

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Die SPD würdigt Gerhard Schröder nach viel Hin und Her mit einer goldenen Ehrennadel. In Hannover hat der Altkanzler noch immer Unterstützer – doch besonders aufschlussreich war, wer nicht kam.

Nach etwa einer Stunde tritt Gerhard Schröder aus der zuvor verschlossenen Tür. Gemeinsam mit seiner Ehefrau So-yeon Schröder-Kim präsentiert er gut gelaunt die rote Mappe, die ihm drinnen überreicht worden ist. Darin die Urkunde, mit der die SPD ihn für sechzig Jahre Mitgliedschaft ehrt. Sie trägt die Unterschriften der SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil. Die Ehrennadel allerdings, die Schröder soeben gemäß den Richtlinien der Partei in der Ausführung „vergoldet, silberfarben ausgelegt, Gelbgold 333er“ verliehen wurde, ist nicht zu sehen. Die Nadel habe sich vom Revers gelöst und sei in die Tasche seines Sakkos gerutscht, erzählt Schröder und geht dann kurz auf einige Fragen ein.

Reinhard Bingener

Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

Zu Russland habe er „alles gesagt, was zu sagen ist“. Er habe den Krieg mehrfach deutlich verurteilt, zugleich beabsichtige er jedoch nicht, seine persönlichen Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verändern. Waffenlieferungen allein könnten den Krieg in der Ukraine nicht beenden; es bedürfe einer diplomatischen Initiative, die von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs ausgehen müsse. Die „kleinen Versuche“ einer Vermittlung in dem brutalen Krieg, die er selbst unternommen habe, „reichten eben nicht“, resümiert der frühere Kanzler. Dann fasst der 78 Jahre alte Schröder seine Frau bei der Hand und geht davon. Auf dem Programm steht dem Vernehmen nach ein Mittagessen mit anderen Gästen der Feier, deren Planung über Wochen zu erheblichem Ärger in der SPD geführt hatte.

Die Führung von Schröders Ortsverein in den noblen Hannoveraner Stadtteilen Oststadt/Zoo hatte sich angesichts von dessen „engen Russlandverbindungen“ zunächst gegen eine Ehrung ausgesprochen. Dagegen erhob sich jedoch sofort Widerspruch. Heidi Merk, Schröders frühere Justizministerin in Niedersachsen und selbst Mitglied im Ortsverein Oststadt-Zoo, gab vor Beginn der Zeremonie einen kleinen Einblick in die Schärfe dieser Debatte. Sie habe nicht verstanden, wie sich „mein Ortsverein derart hartköpfig“ verhalten konnte. Deshalb habe sie „veranlasst, dass mein Ortsverein diesen Beschluss nicht fasst“, und gesagt: „Schluss damit, das übernehmen wir jetzt.“

Wen dieses „wir“ umfasst, lässt Merk offen. In einem engeren Sinn dürfte die 78 Jahre alte Sozialdemokratin damit an sich selbst und ihren Ehemann Herbert Schmalstieg gedacht haben, der 34 Jahre lang Oberbürgermeister in Hannover war und dort bis heute als Parteiikone gilt. In einem etwas weiteren Sinn umfasst das „wir“ aber auch den Kreis von älteren SPD-Politikern, deren Karrieren eng mit derjenigen Schröders verknüpft sind. Unter „wir“ kann man schließlich aber auch eine ganze Generation von Sozialdemokraten verstehen, die in der Kritik an Schröder auch einen Angriff auf die Entspannungspolitik unter Willy Brandt und Egon Bahr erkennen und damit auch einen Angriff auf den Wertekosmos ihres eigenen Lebens.

Die Presse war nicht zugelassen

Diese Strömungen sind in der Partei weiterhin so mächtig, dass der SPD-Bezirk Hannover im Sommer umgehend einschritt, dem Ortsverein die Federführung entzog und die Angelegenheit weitgehend im Sinne des dreifachen „Wir“ regelte: Schröder erhält demnach nicht nur Ehrennadel und Urkunde. Für ihn wird auch auf den Tag genau 25 Jahre nach seiner Wahl zum Bundeskanzler eine kleine Feier im Kurt-Schumacher-Haus ausgerichtet, von dem aus die wiedergegründete deutsche Sozialdemokratie nach dem Krieg zunächst geführt wurde. Dort haben die niedersächsische Landes-SPD, der SPD-Bezirk Hannover, der SPD-Unterbezirk Hannover sowie die städtische SPD bis heute ihren Sitz.

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