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„Nichts zu verschenken“
Manuela Schwesig sagt, sie habe keine Stimmen zu verschenken, und so tritt sie auch auf. Im Fernseh-Duell am Dienstagabend mit ihrem CDU-Konkurrenten Michael Sack gibt es kaum Themen, kaum Fragen, die sie nicht als Vorlage nutzt, um die Erfolge ihrer Regierung zu preisen: die Pakete, die man schon geschnürt und die Weichen, die man gestellt habe. Ein Stunde lang überrollt sie so Sack und auch den Moderator, der irgendwann zu ihr sagt „Sie laufen mir schon wieder zeitmäßig davon“ und Herr Sack komme nicht mehr hinterher. Am Ende sind dann zumindest die Redeanteile fast wieder ausgeglichen. Aber das war es auch.
Am 26. September wird nicht nur ein neuer Bundestag, sondern im Nordosten auch ein neuer Landtag gewählt und alle Umfragen weisen mit dicken, blickenden Pfeilen darauf hin, dass die Sozialdemokraten an diesem Sonntag zumindest einen Sieg ganz sicher feiern können: jenen von Manuela Schwesig in Schwerin. Seit 2017 ist sie Ministerpräsidentin und dürfte es auch bleiben. Diese Frage schien also schon vor dem Duell geklärt. Spannend ist eigentlich nur, mit wem Schwesig weiterregiert. Und wie tief die CDU im Land noch fällt.
Auf die erste Frage will Schwesig auch bei dem TV-Duell im NDR keine klare Antwort geben. Seit 1998 führt ihre SPD die Regierung in Schwerin. Die ersten Jahre durfte die Linkspartei mitmachen, seit 2006 ist die CDU der Juniorpartner. Nun hält sich Schwesig offen, mit wem es weitergeht. Mit der Linkspartei habe ihre Partei verlässlich regiert, mit der CDU ebenso. Sack hingegen versucht vor „Experimenten am Rand“ zu warnen, die aber doch im Nordosten nur bedingt zur Abschreckung taugen, weil sie so experimentell gar nicht mehr sind. Sack will mit seiner Partei aber weiter mitregieren, das ist das Ziel. Dass er dabei kaum Ministerpräsident sein kann, spricht an diesem Abend zwar niemand aus. Aber bei der letzten Umfrage kam die SPD auf 39 Prozent, die CDU auf 14 – noch hinter der AfD mit 17. Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich 65 Prozent für Schwesig entscheiden, elf Prozent für Sack, heißt es beim NDR gleich zum Auftakt. Was soll man da noch sagen?
Schiefes Verhältnis zwischen Schwesig und Sack
Dabei kann man Michael Sack wenig vorwerfen mit Blick auf die schwierige Lage seiner Partei, weder Allgemein, noch an diesem Fernseh-Abend. Allgemein ist er vor einem Jahr überhaupt nur und völlig überraschend in die Rolle des Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten hinein gerutscht, weil der große Favorit für diese Aufgaben auf dem glitschigen Lobbyismus-Parkett vorher ausgerutscht ist: Philipp Amthor. Statt des bundesweit bekannten Hoffnungsträgers musste nun der kaum landesweit bekannte Landrat aus Vorpommern-Greifswald ran, über den man meist Nettes hört, aber eben wenig. Welch brutaler Kontrast vor allem zur medial dauerpräsenten Ministerpräsidentin. Im TV-Duell versucht er dann immer wieder ruhig, die Probleme aufzuzählen, die er als Landrat hautnah erleben kann. Er wirkt dabei glaubwürdig, er kennt die Probleme vor Ort. Nur wirkt das Verhältnis schief, wenn Schwesig dann schnell aufzählt, was sie als Landesmutter schon auf den Weg gebracht, um eben diese Probleme zu lösen. Weil die CDU zudem mitregiert, verfangen die Attacken von Sack kaum.
jeden Dienstag
So vergeht eine Stunde mit Fragen zur Bildung, zu Funklöchern und der Problemen der Infrastruktur in einem so dünn besiedelten Land, mit der Wirtschaft, Energie, Arbeitsplätzen und der Corona-Politik der Landesregierung, die Sack ebenso unterstützt, wie das Nord Stream 2-Projekt. Alles ruhig, alles ganz klar. Nur einmal lässt Schwesig Sack dann doch noch heftig auflaufen. Da geht es um die Finanzierung der beitragsfreien Kita im Land geht, es gibt eine Klage des Landkreises von Sack. Es geht darum, wie Kommunen und Land sich die Kosten aufteilen. Sack beklagt, dass es vorher nicht zu Gesprächen zur Klärung gekommen ist. Er hätte ja als Landesvorsitzender der CDU in die Haushaltsberatungen kommen können, um darüber zu reden, bevor er klage, weist Schwesig ihn spitz zurecht. Aber leider sei er ja nicht gekommen. Schwesig hat keine Stimmen zu verschenken, und so tritt sie auch auf.
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