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#Sorglos im Corona-Brutkasten

Sorglos im Corona-Brutkasten

Frankreich im Lockdown, Belgien in Isolation, Deutschland heruntergefahren, doch das kleine Großherzogtum in der Mitte dieser drei Länder zeigt sich unbeeindruckt: Wer dachte, dass nun auch Luxemburg eindeutige Regeln zur Pandemieprävention erlässt, wurde eines Besseren belehrt. Am Dienstag gaben Premierminister Xavier Bettel und seine Gesundheitsministerin Paulette Lenert abermals eine Pressekonferenz, und wieder bleibt die liberale Linie erhalten. Außer einer Ausgangssperre ab 23 Uhr und Einschränkungen für Besuche zuhause gibt es keine nennenswerten Einschränkungen.

Wer durch Luxemburg-Stadt flaniert, sieht voll besetzte Cafés und Restaurants. Die Menschen trainieren in ihren Fitnessstudios. Kinos sind offen, Busse voll besetzt. In den Schulen wird weiter Schwimmunterricht erteilt, in den Turnhallen Völkerball gespielt. Masken werden zwar getragen, aber nicht immer, nicht überall. Wer online einen Zeitslot für den Museumsbesuch bucht, erlebt trotz alledem ein volles Haus. Besucher aus den Nachbarländern, die beispielsweise wegen der hier geöffneten Gaststätten kommen, reiben sich verwundert die Augen.

Nach den jüngsten Zahlen der EU-Gesundheitsagentur ECDC gab es in Luxemburg in den letzten 14 Tagen statistisch 1302 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Das ist ein europäischer Spitzenwert (Frankreich: 783, Belgien: 755, Deutschland: 307). Wer die Sorglosigkeit in Luxemburg erlebt, wundert sich darüber nicht. Doch im Land selbst gibt es kaum eine Debatte. Die Regierungskoalition wird von den Liberalen angeführt, die Gaststätten und Wirtschaft retten wollen. Die mitregierenden Sozialisten sind sich uneins, die Grünen kaum vernehmbar. Viele Journalisten sind selbst erkrankt oder werden gerade, wie bei der größten Tageszeitung des Landes, entlassen. Die oppositionellen Christsozialen haben sich über die Frage von Steuererhöhungen zerstritten.

Das Entsetzen über Deutschland war groß

Als Deutschland im Frühjahr seine Grenze zu Luxemburg für zwei Monate schloss, war das Entsetzen im europafreundlichen Kleinstaat groß. Schengen ist schließlich ein luxemburgischer Ort. In den Kommentarspalten der Online-Medien hielten manche Nazi-Vergleiche für passend. Heute wird die Grenzschließung auch von deutscher Seite als Fehler gesehen. Doch damals war Luxemburg ein „Hotspot“ der Pandemie, und nun ist es wieder so – obwohl Grenzgänger aus den Infektionszahlen inzwischen herausgerechnet werden. Luxemburg sagt gerne, es teste mehr als andere Länder. In der Tat sind 70.000 Tests pro Woche ein europäischer Spitzenwert.

Trotzdem ist es in den Krankenhäusern des Landes, wie anderswo, voll. Krankenschwestern arbeiten an der Erschöpfungsgrenze. Die meisten von ihnen kommen aus den Nachbarländern. Luxemburg zahlt bessere Löhne. Es ist eine Rückversicherung, die den Bewohnern erlaubt, weiter Essen zu gehen, Sport zu treiben und in kleinen Bars Live-Musik zu hören: Im Notfall behandeln sie ja die Pfleger aus Belgien, Frankreich und Deutschland. Also aus den Ländern, wo man auf Kultur und Sport inzwischen verzichtet. Am Montag gab es erstmals zehn Tote an einem Tag in Luxemburg. Auf die deutsche Einwohnerzahl hochgerechnet wären das tausend Tote gewesen.

Premierminister Bettel sagt, die Todesrate sei europäischer Durchschnitt. Seine Gesundheitsministerin gab sich indes schon etwas nachdenklicher: Lediglich Empfehlungen auszusprechen, reiche wohl nicht mehr aus. Vielleicht kommen nächste Woche neue Einschränkungen. Vielleicht aber auch nicht.

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