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#War alles in Afghanistan vergeblich?

War alles in Afghanistan vergeblich?

Fast zwanzig Jahre lang haben das mächtigste Militärbündnis der Erde und die Vereinten Nationen versucht, den Terror zu besiegen und ein sicheres Umfeld für friedliche Staatlichkeit zu schaffen. Amerika entsandte die Elite seiner Streitkräfte an den Hindukusch, um Al-Qaida zu vernichten und die Taliban in die Knie zu zwingen. Bis zu 130.000 alliierte Soldaten waren im Afghanistan-Krieg eingesetzt, um in Hunderten Gefechten, Luftschlägen und blutigen Kommandoaktionen militärisch die Oberhand zu gewinnen. Vergeblich. Zugleich hat die Weltgemeinschaft viele Milliarden Dollar investiert, um Infrastruktur, Wirtschaft und Rechtsstaatlichkeit aufzubauen. Doch Korruption und religiöser Fanatismus haben obsiegt.

Beide strategischen Ziele wurden verfehlt: der Kampf gegen den Terror und der Aufbau eines funktionierenden Staates. Afghanistan hat die höchste Konzentration von Terrorgruppen, vierzig Prozent aller Anschläge weltweit werden in diesem Land verübt. Armee und Polizei beklagen jedes Jahr Tausende Tote im Kampf gegen die Taliban. Deren militärische Dominanz zwingt Washington und seine Verbündeten nun, Hals über Kopf abzuziehen. Deutsche Polizisten und Entwicklungshelfer wurden bei Nacht und Nebel ausgeflogen. Mit der absehbaren Rückkehr der Taliban an die Macht wird auch eine deutsche Niederlage besiegelt. Für die Bundeswehr, aber auch für alle, die am Aufbau beteiligt waren.

Beide Missionen in Afghanistan sind gescheitert

2001 hat sich die rot-grüne Bundesregierung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer geradezu aufgedrängt, den Krieg der Amerikaner durch langfristiges, friedenssicherndes Engagement zu begleiten. So gab es von Anfang an zwei Operationen, „Enduring Freedom“ für amerikanischen Furor und Feuer, und daneben das ISAF-Engagement der NATO für bewaffneten Brunnenbau und zivil-militärische Kooperation. Beide Missionen sind gescheitert. Auch deshalb, weil sie in Konkurrenz zueinander standen.

Im Sicherheitsapparat zeigt sich das exemplarisch: Deutschland versuchte, eine rechtsstaatliche, bürgernahe Polizei aufzubauen. Die Amerikaner hingegen forderten Truppen im Bürgerkrieg, Kalaschnikow-Männer für die Front – nicht akademisch gebildete Polizeioffizierinnen oder eine versierte Kripo. Auf jeweils zwei deutsche Polizeiberater im afghanischen Innenministerium kamen bald achtzig Amerikaner.

Wo im Norden des Landes Bundeswehr und Entwicklungshelfer tagsüber Kontakte zu Einheimischen knüpften, kamen nachts amerikanische Spezialkommandos auf der Suche nach Taliban-Kollaborateuren über die Dörfer. Dass Afghanistan der weltweit größte Opiumproduzent war und blieb, sicherte sowohl den korrupten Warlords das Überleben als auch den Taliban den Nachschub.

Afghanische Schulkinder in einem Flüchtlingslager bei Jalalabad im Dezember 2013


Afghanische Schulkinder in einem Flüchtlingslager bei Jalalabad im Dezember 2013
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Bild: AFP

Haben Zehntausende deutsche Soldaten, Polizisten, Entwicklungshelfer und Diplomaten also über zwanzig Jahre hinweg nichts erreicht? Viele denken jetzt so. Etwa Bundeswehrsoldaten, die Monate oder sogar Jahre ihres Lebens in Afghanistan gedient haben, dort traumatisiert oder verwundet wurden. Oder Polizisten, die jetzt bei ihrer Rückkehr von keinem Politiker am Flughafen begrüßt wurden.

Das Innenministerium weiß nicht einmal, wie viele Beamte aus Bund und Ländern am Hindukusch voller Hingabe und auch Patriotismus für Recht und Freiheit gerungen haben. Die Helfer im Einsatz haben sich bewährt, sie haben vieles im Kleinen erreicht, individuell Großes geleistet. Von der Bundesregierung und vom Bundestag kann man das nicht sagen.

Die Öffentlichkeit hatte sich lange schon in freundlicher Indifferenz abgewandt. Jahr um Jahr wurden die Missionen im Parlament beschlossen, oft wortgleich zum Vorjahresantrag. Immer wurde von Fortschritten geredet, wo keine waren, Illusionen genährt. Eine ehrliche, unabhängige Bilanz haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister seit Jahren verweigert. Mit falschen, naiven Annahmen ist Rot-Grün 2001 in diesen Krieg gezogen, mit Ausreden und Ausflüchten haben die Regierungen unter Merkel sich der Wirklichkeit verweigert.

In den vergangenen Jahren wurde nur aus strategischer Bündnistreue gegenüber Washington die zuletzt nahezu sinnlose Präsenz deutscher Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan verlängert. Fakten zu sammeln, gründlich das Geschehene zu analysieren – dazu fehlen der Regierung, aber auch dem Parlament Mut und Kraft. Das Kabinett hat diese Aufgabe auf die Zeit nach 2022 vertagt, wenn es selbst nicht mehr im Amt ist. Der Bundestag ist uneins. Soll die Botschaft an die angebliche Parlamentsarmee und an alle, die sich in Afghanistan über zwanzig Jahre engagiert haben, etwa lauten: Wir dürfen uns nicht geirrt haben, und ihr seid uns egal?

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