#Warten auf die Öffnungsperspektive

Warten auf die Öffnungsperspektive

Bund und Länder wollen sich an diesem Mittwoch ab 14 Uhr über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise verständigen. Vor den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten zeichnete sich einerseits eine Verlängerung des vorerst bis zum nächsten Sonntag vereinbarten Lockdowns ab. Andererseits haben bereits mehrere Länder konkrete Pläne, Kitas und Schulen ab kommender Woche schrittweise wieder zu öffnen.

Einigkeit besteht dazu, dass Schulen und Kitas als erstes öffnen sollen. Unklar ist aber, wann das geschehen soll. Auf der Tagesordnung steht somit auch eine längerfristige Öffnungsperspektive, um aufzuzeigen, wie bei einem weiteren Sinken der Infektionszahlen eine schrittweise Rückkehr zur Normalität aussehen könnte.

Schwesig will schrittweise öffnen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verlangte solch eine klare Öffnungsperspektive für Schulen und Wirtschaft. „Wenn wir den Shutdown noch bis 1. März verlängern, müssen wir gleichzeitig sagen: Was wird in welchen Schritten geöffnet? Ab welcher Inzidenz?“, sagte Schwesig bei „Bild Live“. Als Beispiel nannte sie eine Inzidenz von 50 und weniger, um Friseursalons wieder zu öffnen. Bei einer Inzidenz von unter 35 könne über den Einzelhandel gesprochen werden. „Die Leute sind am Anschlag und fragen: Wie lange soll das noch so weiter gehen?“ Sie wolle daher nicht sagen, dass erst ab einer Inzidenz von 35 wieder alles öffnen werde.

Mit Blick auf die Schulen sagte Schwesig, wo die Inzidenzen niedrig seien, würden in Mecklenburg-Vorpommern Grundschulen und Kitas offen gelassen. In Hotspots gebe es hingegen nur einen Notbetrieb. „Ich rate dazu, dass wir das in ganz Deutschland machen.“ Man könne ja regional vorgehen und müsse nicht warten, „bis auch der letzte Landkreis bei den Infektionen runtergeht“.

Lehrer und Gastro-Gewerkschaft mahnen zu Vorsicht

Lehrerverbände und Gewerkschaften sprechen sich gegen eine vorschnelle Öffnung aus. „Ich empfehle: Lieber noch ein, zwei Wochen warten als zu früh zu viel zu riskieren“, erklärt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Laut Meidinger brauche man für Schulöffnungen einen klaren Plan und feste Kriterien, was bei welcher Inzidenz passieren solle.

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einer zu schnellen Öffnung der Gastronomie und der Hotels. „Das Gastgewerbe darf nicht zum Experimentierfeld beim Umgang mit neuen Gefahren werden“, sagte NGG-Chef Guido Zeitler der „Rheinischen Post“ mit Blick auf die stärker ansteckenden Virus-Mutationen. Der Schutz der Beschäftigten habe höchste Priorität. „Das Gastgewerbe hat aber gezeigt, dass dies mit ausgefeilten Hygienekonzepten sowie Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz möglich ist“, sagt Zeitler. Wichtig sei, dass die Regelungen bundesweit einheitlich gelten.

Giffey für mehr Schnelltests an Schulen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fordert Vorbereitungen für einen massiven Einsatz von Schnelltests in Schulen. „Schnelltests sind eine riesige Chance für die Öffnungsstrategien“, sagte die SPD-Politikerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Schon seit dem 2. Februar sind Schnelltests zur Anwendung auch durch nicht medizinisches Personal mit Schulungsvideo zugelassen. In Potsdam und Bremen werden sie bereits eingesetzt, Berlin hat solche Tests bestellt, auch Österreich macht es ja vor.“

Die Zulassung mehrerer einfach handhabbarer Schnelltests zur Selbstanwendung durch Laien sei in Vorbereitung und werde in den nächsten Wochen erwartet. Sobald eine Stadt, ein Landkreis oder eine Region die Schnelltestung des Personals und weitere Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen gewährleisten könnten und die Inzidenz niedrig sei, „können auch Kitas und Schulen schrittweise wieder öffnen“, sagte Giffey. „Mein Appell an die Länder ist: Der breite Einsatz dieser Schnelltests muss jetzt vorbereitet werden, damit sie sofort genutzt werden können, wenn sie zugelassen und verfügbar sind.“ Und weiter: „Hier sollten die Länder wirklich alles in Bewegung setzen.“

Sorgen und andere psychische Belastungen

Die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, Ute Lewitzka, warnt vor den Folgen einer Verlängerung des Lockdowns ohne Ausstiegsperspektive. „Menschen mit psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Angststörungen sind in der Pandemie besonders stark belastet“, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Hinzu kommt bei vielen eine wachsende finanzielle Existenzsorge, die ein Risikofaktor für die Entstehung von Suizidalität sein kann.“

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Je nach Region gibt es nach Lewitzkas Worten derzeit zudem weniger therapeutische Angebote, weil eine Präsenzberatung oft nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sei. „Eine Verlängerung des Lockdowns muss deshalb mit einer klaren Perspektive verbunden sein, unter welchen Bedingungen Maßnahmen abgemildert oder aufgehoben werden können“, fordert die Medizinerin. „Wir brauchen außerdem dringend ein staatlich unterstütztes Nationales Suizidpräventionsprogramm und gute Aufklärungskampagnen, um im Sinne der Prävention ein Ansteigen der Suizidrate zu vermeiden.“

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