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#„Wie soll das eine Familie bezahlen?“

„„Wie soll das eine Familie bezahlen?““

Zwanzig mal dreißig Meter misst die Hätte-könnte-sollte-Baulücke von Andreas Ibel. Eigentlich sollte sich hier zwischen zwei bestehenden Gebäuden im Hamburger Stadtteil Hohenfelde längst etwas tun. Wo sich heute nur das Dach der Tiefgarage des Nachbarhauses befindet, könnte ein Neubau mit 15 Wohnungen entstehen. Hätte es nicht den abrupten Stopp der KfW-Förderung, den Anstieg der Bauzinsen und die Explosion der Materialkosten gegeben. Die Pläne sind lange fertig, die Baugenehmigung liegt vor.

Doch Ibels Kalkulation geht nicht mehr auf. Zu 16 bis 17 Euro kalt je Quadratmeter hätten die Neubauwohnungen vermietet werden sollen, erzählt der Chef des Immobilienunternehmens Airea, während er mit seinen Unterlagen über die Steine stapft. Unter den neuen Rahmenbedingungen liefe die Rechnung auf mehr als 20 Euro hinaus. In einer mittleren Wohnlage wie dieser sei das utopisch. „Die Menschen können das nicht mehr bezahlen“, sagt Ibel. Und jetzt? „Jetzt machen wir erst mal nichts.“

Nichts als Leere: Hier könnten 15 Wohnungen entstehen, doch die Kalkulation von Immobilienentwickler Andreas Ibel (klein im Bild) geht nicht mehr auf.


Nichts als Leere: Hier könnten 15 Wohnungen entstehen, doch die Kalkulation von Immobilienentwickler Andreas Ibel (klein im Bild) geht nicht mehr auf.
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Bild: Lucas Wahl

Wie der Hamburger Unternehmer stecken derzeit viele Immobilienentwickler in Deutschland ihre Pläne wieder in die Schublade. Mehr als jedes zehnte Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe berichtet in einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts, dass Wohnungsbauprojekte storniert würden. Begonnen habe die Stornierungswelle im April, schreiben die Forscher. Auch das Interesse, neue Projekte anzugehen, nimmt ab. Im Juni wurden in Deutschland nur noch 30.425 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ist das ein Rückgang um 4,5 Prozent.

Noch verheerender sind die Rückmeldungen, die der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), dessen Vizepräsident Andreas Ibel ist, in einer Umfrage unter seinen 1600 Mitgliedern bekam. 70 Prozent der Unternehmen gaben darin an, sie würden geplante Bauvorhaben nicht mehr realisieren. Dies betreffe im Schnitt die Hälfte ihrer Projekte. „Das ist keine Delle beim Neubau, das ist die Vollbremsung einer ganzen Branche“, konstatierte daraufhin Verbandschef Dirk Salewski.

Neues Wohnungsziel nicht erreichbar

Für die Bundesregierung verheißen diese Zahlen nichts Gutes. Denn eigentlich sollte es in genau die andere Richtung gehen. 400.000 neue Wohnungen sollen nach dem Willen der Ampelkoalition jährlich entstehen, das sind gut 100.000 mehr, als in Deutschland zuletzt gebaut wurden. Der Bedarf ist da, vor allem in den Ballungszentren. In Städten wie Berlin, Frankfurt oder München bewerben sich teils mehrere Hundert Bewerber um eine freie Wohnung. Und zahlen, so sie den Zuschlag bekommen, aus Mangel an Alternativen beinahe jeden Preis. Nun soll das Angebot zur Nachfrage aufschließen.

Erstmals seit Ende der Neunzigerjahre hat Deutschland wieder ein Bauministerium, nicht nur ein paar Abteilungen, die je nach Koalitionsgeschacher mal am Verkehrs-, am Umwelt- oder am Innenministerium hingen. Für den 12. Oktober ist ein großer Wohngipfel geplant. Aber Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ist keine Bundesbauunternehmerin. Sie kann den Rahmen setzen, bauen müssen andere. Kommunale Unternehmen, Genossenschaften, Private. Doch die stehen alle vor demselben Problem: Es rechnet sich nicht mehr. „Nicht ansatzweise“ sei die Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen zu erreichen, heißt es aus dem BFW. Axel Gedaschko, Präsident des Gesamtverbands der Wohnungswirtschaft (GdW), nennt die Zahl „Makulatur“.

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