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#Wie viel Merkel steckt in Scholz?

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Wie viel Merkel steckt in Scholz?

Angela Merkel kann andere Politiker gut nachmachen – unter Ausschluss von Fernsehkameras, versteht sich, und es trifft vorzugsweise internationale Kollegen, die sie nicht sonderlich sympathisch findet. Besonders gut verstand sie sich auf die Imitation Donald Trumps, so berichten es zumindest Leute, die in solchen Runden dabei waren.

Ralph Bollmann

Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

Nicht ganz so gern hat es die Kanzlerin, wenn sie selbst zum Opfer solcher Schauspielkünste wird. Ihr Stellvertreter Olaf Scholz hat es ein bisschen doll getrieben, als er sich neulich für ein Magazin mit Merkel-Raute fotografieren ließ – nicht in entlarvender Absicht, sondern um sich als legitimer Erbe der Langzeitkanzlerin zu inszenieren. Diese Woche griff Merkel dann mal ein: Es gebe einen „gewaltigen Unterschied“ zwischen Scholz und ihr, polterte sie.

Aber wo liegen tatsächlich die Parallelen und Unterschiede zwischen der gebürtigen Hamburgerin, die es im Alter von drei Monaten in die DDR verschlug, und dem gebürtigen Osnabrücker, der früh zum Hamburger wurde? Gemeinsamkeiten gibt es tatsächlich, aber nicht alle sind schmeichelhaft.

Karriere

Beide sind Spätstarter. Merkel war schon 35 Jahre alt, als die Mauer fiel und sie ihre ersten politischen Gehversuche bei der Bürgerbewegung Demokratischer Aufbruch machte. Gut ein Jahr später war sie Ministerin, nach zehn Jahren Parteivorsitzende, weitere fünf Jahre brauchte sie dann noch ins Kanzleramt. Scholz war zwar schon mit 24 Jahren Vizechef der Jusos, er warb für die Überwindung der kapitalistischen Ökonomie, als Merkel sich nach Westjeans sehnte. Aber er pausierte dann ein paar Jahre, bevor er – mit gewandelten Ansichten – über den Altonaer Bezirks- und Hamburger Landesvorsitz einen zweiten Anlauf nahm. Erst mit 44 Jahren übernahm er als SPD-Generalsekretär ein echtes Spitzenamt – ziemlich glücklos, weil es die Partei über die Hartz-Reformen zerriss. Vier Jahre war er dann Arbeitsminister unter Merkel, bevor seine Partei aus der Regierung ausschied.

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Erst danach startete er seine dritte Karriere, die ihn über die Ämter des Hamburger Bürgermeisters und des Bundesfinanzministers zur Kanzlerkandidatur führte – also alles nicht so geradlinig wie bei der Ewigen Kanzlerin. Gemeinsam haben die beiden allerdings die Geduld und den langen Atem: Wie Merkel die zähen Jahre des späten Kohl in der Hoffnung auf einen späteren Neustart ertrug, so beschloss Scholz ziemlich früh, für seinen Sprung nach der Macht das Ende der Merkel-Ära abzuwarten. Überraschende Attacken wie Merkels Trennungsbrief von Kohl sind von ihm indes nicht überliefert. Im Vergleich zum Stoiker Scholz erscheint die scheidende Kanzlerin geradezu als hektisch und flatterhaft.

Weltbild

Merkel hörte im Laufe ihrer Amtszeit immer weniger auf den Rat von Ökonomen, bei Scholz nahm seit seinem Einzug ins Finanzministerium das Interesse an der Expertise von Wirtschaftswissenschaftlern eher zu. Ideologen sind auf diesem Feld beide nicht. Gerhard Schröders berühmte Worte aus dem Wahlkampf von 1998, es gebe nur gute und schlechte, aber keine rechte und linke Wirtschaftspolitik, würden sie heute trotzdem nicht mehr zitieren. Aus taktischen Gründen – aber auch, weil es ein paar Grundannahmen bei beiden ­durchaus gibt. Merkel ist geprägt von einem protestantischen Leistungsethos, wonach vor dem Vergnügen die Arbeit kommt und Schulden in die Nähe von Schuld geraten. Dass die Europäer ihre gewaltigen Sozialausgaben in Zukunft nur schultern könnten, wenn sie auch wirtschaftlich erfolgreich blieben, hat sie oft genug gesagt (ohne immer danach zu handeln). Zu Beginn der Finanz- und Eurokrise vertraute sie eher auf die mutmaßliche Rationalität der Märkte als auf beherztes Eingreifen der Staaten. Scholz ist eher geneigt, die Rolle der öffentlichen Hand zu betonen – ob er nun als Hamburger Bürgermeister den Wohnungsbau vorantrieb oder als Kanzlerkandidat über den klimagerechten Umbau der Industriegesellschaft spricht. Die meisten Investitionen, sagt er dann allerdings auch, müssten von Investoren kommen: Damit hält er sich nach Art der amtierenden Kanzlerin vieles offen.

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