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#Der große Streit um die kleine Wasserkraft

„Der große Streit um die kleine Wasserkraft“

Kleine Wasserkraft – schon der Begriff hört sich so niedlich und natürlich an, dass man eigentlich gar nichts gegen sie haben kann, oder? Zu ihren Freunden in Bayern gehören CSU-Chef Markus Söder sowie sein Vize in der Staatsregierung, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. Beide ließen zuletzt keine Gelegenheit aus, um sich zur kleinen Wasserkraft, die für Bayern besonders wichtig sei, zu bekennen. Anlass: das Vorhaben des grünen Klimaministers Robert Habeck, diese Form der Stromerzeugung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG nicht mehr zu fördern.

Dagegen machen auch die Vertreter der kleinen Wasserkraft mobil, etwa die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern. Ihr Vorsitzender Fritz Schweiger betreibt, zusammen mit seinem Cousin Franz Schweiger, mehrere kleine Anlagen, vier davon in Oberding, einer Gemeinde an der Grenze zum Erdinger Moos. Bei unserem Besuch dort macht Schweiger sogleich klar, dass die kleine Wasserkraft eine höchst komplexe Materie sei. Alles hänge mit allem zusammen. Am Ende aber werde er das „ganze Puzzle“ liefern. Man werde sehen, „dass das, was derzeit mit der Wasserkraft passiert, nicht ganz in Ordnung ist“.

Kulturgeschichte und Familientradition

Schweiger, ein so freundlicher wie gewiefter Gastgeber, greift zunächst in die Historie zurück: Das Kraftwerk am Flüsschen Dorfen, an dem seine Firma sitzt, wurde im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Aulechner Mühle. Jahrhunderte später hat Schweigers Urgroßvater ein E-Werk daraus gemacht. Die Familie hat danach noch weitere gebaut, insgesamt betreibt sie jetzt sechs Wasserkraftwerke, ihre Leistung reicht von 70 bis knapp 500 Kilowatt. Damit gelten sie allesamt als „klein“ – die Obergrenze wird mal bei 500, mal bei 1000 angesetzt.

Schweigers Botschaft ist klar: Wer gegen die kleine Wasserkraft ist, stellt sich gegen Kulturgeschichte und Familientradition. Bei Wirtschaftsminister Aiwanger, zuständig für die kleine Wasserkraft, dürfte er damit Anklang finden. Dessen Ministerium findet jedenfalls, dass die kleinen Wasserkraftwerke „Teil der bayerischen Kulturlandschaft“ sind.

Schweiger hat zehn Angestellte. Sie beaufsichtigen den Kraftwerksbetrieb, sanieren Trafostationen, kümmern sich um den Ausbau des Versorgungsnetzes zwischen Erding und Freising, denn auch das hat Schweiger unter seinen Fittichen. Er sagt sehr bestimmt, wenn auch nicht über jeden Zweifel erhaben: „Die kleine Wasserkraft ist der Mittelstand. Wer sie abschaffen will, ist gegen den Mittelstand.“

Fritz Schweiger in der Werkstatt des Betriebsgebäudes des Wasserkraftwerkes in Oberding, das seit 1906 in Besitz seiner Familie ist.


Fritz Schweiger in der Werkstatt des Betriebsgebäudes des Wasserkraftwerkes in Oberding, das seit 1906 in Besitz seiner Familie ist.
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Bild: Maria Irl

Insgesamt gibt es in Bayern etwa 4250 Wasserkraftwerke, mehr als 90 Prozent von ihnen sind kleine. Frage an Schweiger: Wie viele Menschen leben von der kleinen Wasserkraft? Er zögert, denkt nach. Genau könne er das nicht sagen. Kann man verstehen. Nicht einmal Aiwangers Ministerium hat dazu Zahlen. Andere Frage also: Wie groß ist der Anteil der kleinen Wasserkraft an der Stromproduktion durch die Wasserkraft insgesamt? In Bayern, in Deutschland? Als Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Wasserkraft-Lobbyist müsste Schweiger das ja wissen. Wieder denkt er nach.

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