Der Kandidat, der enttäuschte

Am Montagmorgen muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet den schweren Gang eines Kanzlerkandidaten antreten, der seine Parteifreunde enttäuscht hat. Erst trifft sich das CDU-Präsidium, dann der Vorstand im Konrad-Adenauer-Haus. Laschet muss nicht warten, bis hinter verschlossenen Türen die kritischen Stimmen laut werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender ist und bei Laschets Bewerbung um den Parteivorsitz als die Nummer zwei des Teams funktionierte, hatte sich schon über die Zeitschrift Der Spiegel zu Wort gemeldet.

Er forderte eine Verjüngung der CDU. „Die nächste Generation nach Angela Merkel muss jetzt dafür sorgen, dass wir im nächsten Jahrzehnt zu alter Stärke finden.“ Die Leute dafür habe die CDU, „wir müssen sie jetzt in Verantwortung bringen“. Wie das für einen 60 Jahre alten Kanzlerkandidaten klingt, kann man sich vorstellen. Spahn bekräftigt, die Union solle eine Regierung anführen. Wie Laschet weist er darauf hin, dass die Wahlergebnisse von SPD und Union nur ganz knapp auseinanderlägen. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer ist nicht so gnädig wie Spahn. Er bestreitet rundheraus, dass CDU und CSU einen Regierungsauftrag hätten.

Laschet versucht, Druck aus dem Kessel zu nehmen

Laschet weiß, dass er jetzt schnell Druck aus dem Kessel nehmen muss, um die Parteifreunde zu besänftigen und zu zeigen, dass er Verantwortung für das Desaster übernimmt. Aus der Vorstandssitzung wird schon bald berichtet, der Vorsitzende habe „persönliche Fehler im Wahlkampf, auch organisatorische“, eingestanden. Bei der Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen, deren Beginn sich erheblich verzögert, wird Generalsekretär Paul Ziemiak ebenso wie Laschet ankündigen, dass man die Fehler in der Partei aufarbeiten werde, nicht nur an der Spitze, sondern auch auf der Kreis- und Ortsebene. „Schonungslos“, sagt Ziemiak.

Dann versucht Laschet, den am Sonntagabend entstandenen Eindruck zu korrigieren, er erhebe den Anspruch, die Regierung zu bilden. So hatte es so wirken können, als sei ihm das Ausmaß der Niederlage nicht klar. Öffentlich wiederholt er, was er im Vorstand schon gesagt hatte. Keine Partei könne aus den Wahlergebnissen einen Regierungsanspruch ableiten. Laschet sagt, auch mit 25 Prozent habe man nicht den Anspruch zu sagen, man sei der nächste Kanzler. Damit ist die SPD gemeint, die immerhin 1,6 Prozentpunkte vor der Union gelandet war.

Laschet nutzt den geringen Abstand zwischen beiden Parteien, um die These zu stützen, dass es nicht eindeutig sei, wer den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hat. Man müsse bereit sein, eine Regierung zu bilden. Das sagt er seit dem Sonntagabend. Dass Angela Merkel 2005 zu Beginn ihrer 16 Jahre währenden Amtszeit ihren Anspruch, Kanzlerin zu werden, aus einem noch knapperen Vorsprung vor der SPD abgeleitet hat, bleibt unerwähnt.

Bereit, falls die Ampelkoalition nicht zustande kommt

Gegen Mittag, die Gremien tagen noch, entsteht eine gewisse Verwirrung. Aus der Sitzung wird eine Botschaft nach außen getragen – keineswegs von einem Laschet-Kritiker –, die den Eindruck erweckt, Laschet lasse dem sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz den Vortritt beim Versuch der Regierungsbildung mit Grünen und FDP. „Wir stehen bereit für andere Konstellationen, wenn Ampel nicht klappt“, wird Laschet zitiert. Kurz darauf in der Pressekonferenz treten Laschet und seine Leute dem Eindruck entgegen, das bedeute, die Union werde erst aktiv, wenn die Bemühungen der SPD gescheitert sind. Vielmehr spreche man auch jetzt schon mit FDP und Grünen. Laschet sagt, er habe Rückendeckung vom Parteipräsidium für Gespräche mit Grünen und FDP.

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